Wer nicht gerade der Gattung Mönch angehört oder ein Schweigegelöbnis abgelegt hat (was ich bei Frauen mal pauschal auszuschließen wage), dürfte Einsamkeit doch eher als ein unwünschenswerten Gemütszustand bezeichen - und so zog ich los, meinen Bruder zu retten der seit einem halben Jahr auf der Guinness-Insel wohnt. Gut, vielleicht waren da auch ein wenig chronische Reiselust dabei, aber das soll hier nicht so betont werden.
Allein der Flug mit Ryanair ist doch immer wieder ein Erlebnis für sich, das stark an Busfahren erinnert - immerhin jedoch mit garantiertem Sitzplatz und grausamer Reiseverpflegung. Gut, für € 15,- pro Strecke inkl. Gebühren gilt hinsetzen und Klappe halten. Immerhin, halbe Stunde zu früh in Dublin gelandet - nicht schlecht und das sogar auf einer Rollbahn und beim richtigen Flughafen - dafür gibt’s dann natürlich auch Applaus vom begeisterten Publikum. Warum können es einige denn immer noch nicht lassen? Ich klatsch doch auch nicht, wenn’s der Bäcker schafft mir meine Brötchen einzupacken…
Sollte wohl aufhören zu meine Lieblings-Flugusgesellschaft zu dizzen und erzähl’ Euch lieber von der City! Wirkt auf den ersten Blick etwas heruntergekommen und erinnert stellenweise an Berlin und anderswo eher an ein verschlafenes Dorf in Norddeutschland. Mal Stadt mit unendlich viel Verkehr (vor allem Busse), mal Vorstadt-Feeling in Rüsselsheim. Hat aber was: Direkt am Meer, eigener Hafen, Fluss durch die Stadt und spätestens Nachmittags garantiert schlechtes Wetter. Immerhin war ich wohl nicht der einzige, der Probleme mit dem Linksverkehr hatte (s. Foto).

So zu finden an jeder Ampel, wobei diese für Fußgänger eher dekorativen Charakter haben. Auch wenn das Risiko durch vorbeifahrende Busse nicht zu unterschätzen ist. Apropos Busse: In Dublin gibt es Busse. Diese haben Bushaltestellen. An denen Steht ein Schild. Auf dem Schild steht der Fahrplan - mit Uhrzeiten wann die Busse abfahren… Jetzt hat aber noch keiner gesagt, dass diese Uhrzeiten für diese Haltestelle gelten. Nenenene, .. das sind die Zeiten, an denen es an der ERSTEN Haltestelle los geht - wann der Bus dann an DIESER Haltestelle ankommt bleibt dem Zufall bzw. dem Erfahrungswert des Reisenden überlassen - kann man mögen, muss man aber nicht. Bringt aber den lustigen Effekt, dass manchmal ewig kein Bus kommt, dann drei direkt hintereinander. Dafür geht’s aber ordentlich zu bei den Arbeitszeiten: Fahrt im Bus, Halt, Fahrerwechsel, Stehen, … wie? und jetzt? … ah, die erlösende Ansage: Dem neuen Fahrer seine Schicht beginnt erst in 15 Minuten! Alles klar, dann stehen wir halt noch bis die Schicht beginnt…
Wer nach dem Weg fragen muss, sollte auch ein gewisses Maß an Englisch-Kenntnissen mitbringen - schließlich gibt es nicht einfach Blocks wie in USA und man braucht sich nur geradeaus, drei Straßen zählen usw.. merken. Besser wäre es sich, auf ausführliche Schilderungen der Form: Geradeausschräglinksderkurvefolgenbeifünfstrassenrechts… einzustellen. Nix ist einfach Quadratisch immer schön Schlangenlinie, oder - um auf den Thread-Titel zurück zu kommen: “Dublin is designed for alcoholics”.
Was dann auch einen nicht unwesentlichen Teil des weiteren Reiseverlaufs vorweg nimmt. Tempelbar, wir kommen! Viel Live-Musik, sehr viel nette Menschen und die Erkenntnis, dass € 35,- pro Person beim China-Mann günstiges Essen ist.